Kapitel 4
Der Spitzen-Zirkus – Teure Wechsel-Systeme vs. ehrliches Einpressen

Wer sich heute ein neues Set Steeldarts kauft, kommt an einem Thema kaum noch vorbei: Patentierte Wechselspitzen-Systeme, diese vermehren sich auf dem Markt wie die wilden Kaninchen.
Das Kuriose daran, diese Systeme sind untereinander fast nie kompatibel, kosten aber schon vormontiert in den Serien-Darts einen riesigen Haufen zusätzliches Geld. Doch warum treibt dieses Kuriosum die Spielerschaft eigentlich so massiv um ?

Ich halte es seit Jahren ganz einfach, ich presse in jedes neue Set Darts, welches ich aktiv bespiele, genau einmal neue Spitzen mit einem Repointer ein und fertig.
Warum ?
Weil ich einmal Spitzen gewählt habe, die für mich funktionieren und die sowohl materialschonend zum restlichen Setup als auch zum Sisal des Dartboards sind. Mehr braucht es einfach nicht, um erfolgreich Dart zu spielen.
Warum muss man heute ständig seine Spitzen wechseln ?
Wechselst Du vor dem Losfahren etwa auch jedes Mal die Räder an Deinem Fahrrad, Deinem Moped oder Deinem Auto ?
Bestimmt nicht ! Warum also an etwas herumschrauben, was tadellos funktioniert ?

 

Die Hersteller-Falle, wie Du an eine Marke gekettet wirst.

Die Wahrheit hinter den schraubbaren Spitzen ist aus meiner Sicht der neueste kaufmännische Clou der großen Hersteller, um Dich als Kunden blind an eine einzige Marke zu binden.
Die Rechnung der Marketing-Abteilungen ist simpel, Du kaufst am Anfang bestimmt nicht nur ein einziges Set Ersatzspitzen. Du kaufst Dir vermutlich unterschiedliche Längen, modische Varianten und verschiedene Formen zum Testen.
Schon sitzt Du in der Falle.

Hast Du erst einmal Ersatzspitzen für 15 bis 30 Euro zu Hause in der Schublade liegen, schmeißt Du die ja nicht einfach weg wenn Dein altes Pfeile-Set irgendwann abgeranzt ist. So kaufst Du Dir unbewusst das nächste Set wieder vom exakt selben Hersteller – Du hast ja schließlich die passenden Wechsel-Points noch zu Hause liegen.
Ein genialer Trick zur Kundenbindung, der Dir das Geld aus der Tasche zieht.

 

Warum wechselt man überhaupt Spitzen ? 3 echten Gründe.

Schauen wir uns die drei Argumente an, die in den Foren immer für den Spitzenwechsel vorgeschoben werden, und gleichen sie mit der Realität ab:

  • Die Board-Haftung
    Ja, mancher neue Dart – meistens mit einer glatten, silbernen Standard-Spitze – wird vom Board am Anfang gerne mal ausgespuckt. Aber dafür brauchst Du kein teures Schraub-System ! Mein bewährtes Hilfsmittel heißt schlichtweg: "Schmirgelpapier". Ein regelmäßiges, leichtes Abziehen und Anrauen der Spitzen sorgt für die beste Haftbarkeit im Sisal, die man sich wünschen kann.
    Kostenpunkt ? Nahezu null.
  • Der Spitzenbruch 
    Ich spiele jetzt seit über 10 Jahren aktiv Steeldarts und habe es in all der Zeit noch nicht ein einziges Mal geschafft, eine eingepresste Stahlspitze abzubrechen oder zu verbiegen. Vielleicht hatte ich Glück, ich könnte mir aber vorstellen, dass die häufigsten Brüche nicht beim Aufprall, sondern beim Herausziehen aus dem Board passieren – nämlich dann, wenn man den Pfeil aus der Bewegung heraus unsauber nach unten drückt und verkantet.
    In solchen Situationen habe ich am Board auch schon so manches Mal tief durchgeatmet.
  • Die Suche nach der passenden Länge 
    Ab Werk haben Darts mit klassischen, eingepressten Spitzen meist eine sichtbare, bespielbare Spitzenlänge von etwa 28 bis 30 mm. Eine Verlängerung auf 32 oder 35 mm kann aus vielen ergonomischen Gründen absolut Sinn machen (zum Beispiel, wenn der Mittelfinger wie bei mir weit vorne auf der Spitze liegt). Aber muss man dafür extra ein teures Schraub-System anschaffen ?
    Das führt auf Dauer nur zum reinen Geldverbrennen und erscheint mir persönlich wenig sinnvoll.

Modischer Schnickschnack statt Trefferbild

    Die Auswahl allein bei einem einzigen System-Hersteller ist mittlerweile so gigantisch, dass man allein für die verschiedenen Farben den Preis eines kompletten, guten Pfeile-Sets auf den Tisch legen kann. Nur um dann schicke Darts zu haben, die am Ende aber null funktioneller sind. Wofür ? Bestaunst Du ständig das Setup deines Gegners ?
    Wenn ja, dann könnte sogar eine Regenbogen farbige Spitze Sinn ergeben. Sie ist ja schon ein Blickfang aber eigentlich unsinnig egal wieviele Grip Rillen sie hat.

    Nehmen wir dann jetzt noch die Kombinationen aus Länge, Form, Material, Beschichtungen und etwaigen Grip-Fräsungen an der Spitze dazu, bist Du preislich ganz schnell beim Gegenwert von zwei bis drei neuen Dart-Sets. Und das alles nur für einen Aufwand, der Dein Trefferbild am Ende vermutlich nicht um einen einzigen Millimeter verbessert.
    Da bin ich raus und gönne mir lieber ein weiteres Set Pfeile aus der gleichen Serie, vielleicht sogar mit anderem Gewicht, 2 Gramm mehr oder weniger je nach Gefühl, presse meine funktionierende Spitze ein und habe ein Training oder Wettkampf Set welches mich eher im für mich wertvollen Gesamt Average im Jahres Durchschnitt vorwärts bringt.

    Herstellerunabhängiges Wechselspitzen System und Sollbruchstellen an den Spitzen

    Verstehe mich nicht falsch, Ich wäre einem über alle Marken hinweg funktionierenden, universellen Setup durchaus aufgeschlossen gegenüber. Ein System, bei dem man einmal ein universelles Zwischenstück (Spigot) einpresst und dann herstellerunabhängig schraubbare Spitzen in 28, 32 oder 35 mm nutzen kann – das hätte was. dazu müssten aber alle Bohrungen für die Spitzen genormt sein.
    Im Moment gibt es etwas was dem nahe kommt, aber du musst halt vorab den Bohrungsdurchmesser wissen oder dir die Spigot in den 3 gängigsten Bohrdurchmessern mit bestellen.

    Doch es gibt ein ganz dickes „Aber“: So lange diese modernen Wechselspitzen mit künstlichen Sollbruchstellen konstruiert werden müssen, kommen mir diese nicht ins Haus. Das Sponsoring-Argument lautet zwar, dass die Sollbruchstelle das teure Barrel vor dem Totalschaden schützt, wenn die Spitze bricht. Aber wie ich schon sagte, mir ist noch nie eine klassische Spitze abgebrochen. Bei den schraubbaren Systemen ist die Gefahr eines Bruchs durch das dünne Gewinde und die eingebaute Schwachstelle überhaupt erst um ein Vielfaches höher.
    Ich bleibe lieber beim ehrlichen, bombenfesten Einpressen !

    Kapitel 1: Das Fundament am Oche – Warum ein gutes Board keine teuren Logos braucht
    Kapitel 2: Das Barrel-Geheimnis – Teurer Marken-Stempel, Sponsoring-Wahn und die eigene Dart-Suche
    Kapitel 3: 
    Das Flight-Schaft-Chaos – Teurer Marketing-Trick vs. ehrliche Einzelkomponenten